Installation einer Mobil-Endstufe

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schweißfuß
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Installation einer Mobil-Endstufe

#1

Beitrag von schweißfuß » Fr 28. Jan 2005, 22:16

Wie installiere ich meine erste Endstufe "Brenner" ? (*)
oder
"Was sie schon immer über Leistungsverstärker wissen wollten!"
( schlecht übersetzt und mit europäischen Anmerkungen versehen (-: aus dem US Forum )

Da steht er also, der erste Brenner, nun muß er "nur" noch installiert werden...
Diese Anleitung erklärt das Schritt für Schritt. Aber bedenke, daß
es viele Wege zum Erfolg gibt und sogar, wenn Du alles genau beachtest,
könntest Du noch Probleme haben.

Stromversorgung:
Als erstes solltest Du sicher sein, daß Deine Lichtmaschine die zusätzliche Belastung verträgt.
Ein grober Richtwert ist, daß ein kleineres Fahrzeug ca. 30 Ampere,ein größeres
etwa 40 Ampere für den Fahrtbetrieb benötigt.
( Irgedwelche Extras wie 2000W Audioverstärker o.ä. sind noch nicht enthalten.. (-:)
Wenn Dein großes Auto also eine 100 A Lichtmaschine hatt, bleiben noch 60 Ampere für
die Endstufe übrig.

Richtwerte für in Europa gebräuchliche 12 Volt Endstufen:

1 Transistor Klasse: B150 u.ä. ca.10 Ampere
2 Transistor Klasse: B300P,KL300 u.ä.ca.20 Ampere
4 Transistor Klasse: B500P,KL500,HLA300 u.ä.ca.40 Ampere

Auf jeden Fall empfiehlt es sich, ein 20 qmm Kabel von
der Lichtmaschine zum Pluspol der Batterie und
das Lichtmaschinengehäuse zusätzlich damit auf Masse
zu legen. ( Ein dickeres Kabel schadet natürlich auch nix )
-> Immer darauf achten, daß die Ladekabel von
der Lichtmaschine niemals an scharfen Kanten scheuern kann
und sicher verlegt sind. ( Einbinden in einen Kabelbaum
ist natürlich die beste Lösung )
-> An Durchführungen durch Metallwände immer Kabeldurchführungen
verwenden !,
-> Das Kabel nicht an Stellen aufliegen lassen, welche heiß werden,
und die Isolation zum Schmelzen bringen können.
-> Vermeide auch stehts, Versorgungskabel parallel zu
Antennenleitungen zu legen, um Einstrahlungen zu
vermeiden.
Für die Leitungen von der Batterie zum Verstärker gilt natürlich das Gleiche!
Lies im Datenblatt nach oder erkundige Dich beim Hersteller,was
die Endstufe maximal an Strom zieht, und bemesse Schalter, Sicherung
und Kabeldicke entsprechend.
Bringe die Sicherungen möglichst dicht
bei der Batterie an, nur so können sie einen Kabelbrand verhindern.
Im Zweifelsfall immer das dickere Kabel verwenden,
das schadet nichts !
Dünne Kabel kosten auch Ausgangsleistung, da an ihnen immer
mehr Spannung abfällt als an Dickeren.
Nun ist es wichtig, dafü zu sorgen, daß die eingebaute
Elektronik im Fahrzeug die abgestrahlte Leistung der
Endstufe auch verträgt, dazu sollte möglichst alles
geerdet werden.
Von der Batterie zum Chassis mit 20 qmm, wenn
Du weniger als 500 Watt fährst, mit 40 qmm für
500..1000 Watt.
Bei Endstufen mit mehr als 1000 Watt solltest Du Dir sehr sicher sein,
was Du tust, oder jemand fragen, der sich damit wirklich auskennt.
Je länger das Kabel,desto dicker sollte es natürlich sein.
Wenn möglich, fein verseilte Litze verwenden,
die Anschlüsse mit den Kabelschuhen oder Steckern
ordentlich vercrimpen und/oder verlöten !
Vor dem Verlöten alle Metallteile grünlich blankschleifen,
mit säurefreiem Lot (!!!) verlöten und anschließend vor Korrosion
schützen.
Erde alles was nur möglich ist, wenn es geht mit dicken Erdungsbändern,
die nicht länger als ca. 30 cm sein sollten.
Erde das Chassis,bei Pick-Ups die Ladefläche, die Türen ( wenn die Antenne am Spiegel befestigt ist),
die Motorhaube und Kofferraumhaube.

Eine alternative Möglichkeit der Stromversorung ist es, eine oder mehrere
Stützbatterien im Kofferraum zu verwenden, wie das auch von
Audio Freaks bei großen Endstufen gemacht wird.
Diese werden über eine Dauerplus Leitung parallel
zur Fahrzeugbatterie nachgeladen.
Praktisch bewährt haben sich:
1 Transistor Klasse: B150 u.ä. ca.20 Ah
2 Transistor Klasse: B300P,KL300 u.ä.ca.32 Ah
4 Transistor Klasse: B500P,KL500,HLA300 u.ä.ca. 64 Ah
u.s.w.
Das sind nur ganz grobe Anhaltswerte, es hängt natürlich vom TX/RX Verhältnis,
der Betriebsart ( SSB/FM ) und der Kapazität der Dauerplus Leitungen zum Nachladen
der Stützbatterien ab.
Diese Methode hat den Riesenvorteil, daß der ganze "HF-Leistungskram"
gut von der restlichen Fahrzeugelektronik entkoppelt ist !


Position der Endstufe:
Sie sollte an einem möglichst gut belüfteten, aber auch vor Feuchtigkeit
geschützen Ort eingebaut werden.
Ideal ist es, wenn die Endstufe einen Fernbedienungsanschluß hat,
um sie während der Fahrt ein-/ausschalten zu können.
Es ist ja nun wirklich nicht nötig, jedes Orts-QSO mit voller
Power zu fahren.


Die Antenne:
Bei der Auswahl der Antenne darauf achten, daß sie auch wirklich die Leistung verträgt,
die Du fahren willst, sonst hast Du nicht lange Freude an Deiner Endstufe.
Faustformel: Die Antenne sollte nach Herstellerangabe das doppelte der angestrebten
Leistung vertragen !
Paktisch bewährt haben sich bei Leistungen von mehr als 1 KW unter anderem
die Wilson 5000, die Trucker 18 bzw. 28 und die DV27lang ( unverkürzter Lambda/4 Strahler ).
Die Wilson hat auch noch den Vorteil, daß der Einbaufuß extrem flach baut.
Allerdings verträgt das beim Wilson Einbau- und Magnetfuß verwendete RG-8 Kabel
nur maximal 1000 ... 1300 Watt.
Das Koaxkabel sollte die geplante Leistung vertragen:
RG58 etwa 500 Watt PEP
RG8X (Mini8) etwa 1000 Watt PEP
Times240 etwa 2000 Watt PEP
RG213 etwa 4000 Watt PEP
Im Zweifelsfall das Datenblatt des verwendeten Kabels
zu Rate ziehen !

Ansteuerleistung:
Hier kann man die US Vorschläge nicht so gut auf unsere Verhältnisse
übertragen, da dort ja nur AM/SSB gemacht wird.
Deshalb hier ein ganz grober Richtwert, im Zweifelsfall die Empfehlungen
des Herstellers beachten !
Die in den Endstufen verbauten Transis haben meist um die 13 dB Verstärkung
und bringen ca. 60..90 Watt @12 Volt, bei 13,8 Volt und gutem
Willen auch 100 Watt. Mehr sollte man nicht verlangen,
das erzeugt nur übermäßige Hitze und Splatter auf den Nachbarkanälen...
Lieber eine dicke Endstufe, und diese nicht voll ausfahren, als
eine kleine "ausquetschen" und "überfahren".
Als ganz grobe Richtwerte können gelten:
1 Transistor Klasse: B150 u.ä. In: 4 Watt-> Out:80 Watt
2 Transistor Klasse: B300P,KL300 In: 8 Watt->Out:160 Watt
4 Transistor Klasse: B500P,KL500,HLA300 In: 16 Watt->Out:320 Watt
Bei den "großen Kisten mit 2SC2879 kann man grob pro Transistor 100 Watt
Output rechnen, üblich sind Endstufen bis 32 Transistoren.
Bei einer "8 pill" kann man also ca. 800 Watt@12 Volt erwarten.
( Es wurden aber auch schon "64 pill" und "128 pill" gebaut !)
Bei Wettbewerben, den "Keydowns" werden die Teile dann mit
bis zu 18 Volt betrieben und bringen dann fast die doppelte
Leistung. Dann muß aber die Stehwelle 100% ok sein !!!
Ein Alarmzeichen ist es, wenn bei angeschlossener
PA das gemessene SWR schlechter wird ! Dann werden
nämlich meist Oberwellen von der ( dafür nicht angepassten )
Antenne reflektiert und vom SWR Meter im Rücklauf angezeigt.
Hier ist die Endstufe fast immer überfahren, die Ansteuerleistung
sollte reduziert werden.
Tückisch ist übrigens auch, daß diese Oberwellen auch noch als
scheinbarer (!!!) Leistungsgewinn im Vorlauf angezeigt werden !
Durch die höhere Frequenz der Oberwellen führen diese auch noch
zu einer überproportional höheren Leistungsanzeige.
Auf diese Weise hat dann eine 120 Watt Endstufe
plötzlich (scheinbare !!) 200 Watt....

Oberwellenfilter:
Leider haben die meisten Endstufen keinen eingebauten Filter !
( Ausnahme HLA300 u.ä. ) Es ist also unbedingt nötig,
einen geeigneten Oberwellenfilter hinter der Endstufe
einzubauen. Man macht sich sonst im BOS Bereich mit der
3. Oberwelle gewaltig Ärger !!!!
Gute Filter gibt es z.B. von Kenwood (1KW)
und von Bencher (5KW), sie bringen bis zu 80 dB
Oberwellenunterdrückung.


Inbetriebnahme:
Prüfe alle Verbindungen doppelt, bevor Du die Verbindung zur Batterie
herstellst !
Beachte besonders die Polarität beim Anschluß des Verstärkers
und des Funkgerätes !
Falschpolung könnte beides beschädigen !
Prüfe auch nochmals alle Koaxkabel und Stecker zwischen allen
Komponenten.
Zunächst nur das Funkgerät ohne Endstufe in Betrieb nehmen und das SWR
vor und hinter der Endstufe testen.
Beim Einstellen der Stehwelle auch darauf achten, das Auto nicht zu dicht
an einer Wand zu parken. Die eventuell von der Wand reflektierte
Strahlung verfälscht Dein Meßergebnis.
Das Stehwellenverhältnis sollte über alle 80 Kanäle nicht schlechter als 1:1,3 sein...
Wie das geht, steht hier:
-> FAQ: http://funkbasis.de/viewtopic.php?f=53&t=9
Je kleiner das SWR desto besser !
Und nochmals, SWR Abgleich über die Kabellänge ist Selbstbetrug !
Ein schlechtes SWR kann die Endstufentransistoren beschädigen und evtl. auch das
Funkgerät.
Die meisten "Alltags" Endstufen wie z.B. von Zetagi oder die "KL" Serie
können ein etwas höheres SWR vertragen, aber die hochgezüchteten Wettkampf
Endstufen wie XForce/ Magna Force, Davemade, Texas Star, Snowcap, Big Dawg,
und Skullcracka werden bei einem SWR von über 1:1,3 nicht lange leben...
Wenn das SWR nun stimmt, bitte die Endstufe anschließen und einschalten.
Wenn alles ok ausschaut ( Lüfter laufen, Lampen brennen etc. ) in der
Bandmitte einen freien Kanal suchen ( Kanal 78,79,80,1,2,3 ) und
kurz die Miketaste drücken !
Achte nun auf merkwürdige Geräusche im Auto (auslösende Airbags (-: etc.)
oder Funkgerät und lasse die Taste gleich wieder los.
Nun solltest Du wieder normalen Empfang haben,
wenn nun die Endstufe nun nicht zu senden aufhört,
sofort abschalten und einen Experten konsultieren.
Nun checke nochmals das SWR vor und hinter dem Endstufe.
Ist das SWR nun ok, dann kannst Du mit einem Funkkollegen einen Modulationstest
machen. Gleichzeitig immer noch darauf achten, ob sich beim Sprechen merkwürdige Effekte
oder Geräusche zeigen.
Ist alles ok, dann hast Du's geschafft !
Herzlichen Glückwunsch !


:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

*
Der Betrieb von sogenannten Brennern, also Funk-Leistungsverstärkern ist
nur lizensierten Funkamateuren auf für den Amateurfunk vorgeschriebenen Frequenzen erlaubt !
Der Betrieb auf CB-Funk Frequenzen ist Jedermann verboten und wird
( in Deutschland ) als Ordnungswidrigkeit geahndet !
Bitte beachtet auch die für Euren Fahrzeugtyp vorgeschriebene HF-Maximalleistung und
ggf. Einbauhinweise für die Funkanlage.

Bei Nichtbeachtung dieser Vorgaben besteht die Gefahr von Störungen in der Fahrzeug-
und Motorelektronik, außerdem kann die Betriebserlaubnis für das Fahrzeug erlöschen !!


P.S.

Hier eine schöne Zusammenfassung von diversen Mobil Endstufen:

http://www.k0bg.com/amplifiers.html
Zuletzt geändert von schweißfuß am Mi 22. Mär 2006, 08:44, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Installation einer Mobil-Endstufe

#2

Beitrag von schweißfuß » Mi 4. Mai 2005, 11:48

KL-500 Tipps von Jochen DG2IAQ


Die KL-500 PA zieht bei Vollaussteuerung rd. 30 - 35 Ampere ! Dann kommen aber auch gute und "echte" 300 Watt raus (10m Band, von mir am Dummyload gemessen). Auf den tieferen Afu-Bändern geht sie dann stetig bis rd. 400 Watt hoch.

Das macht weder die Autobatterie noch der Regler lange mit . Oder man fährt dann nachts solange zeitweise im Dunkeln weiter .
Ich hatte Berichte von Amateurfunkern gelesen, die aus diesem Grunde eine Zweitbatterie mit separater Nachladung im Pkw oder Wohnmobil dazu betreiben (Stichwort Pufferung).

Das nächste Problem ist die Antenne, die die Leistung auch UNTER ALLEN BETRIEBSBEDINGUNGEN abkönnen muss.
Da darf am Koaxkabel nix mehr "geklebt", sondern nur noch perfekt "gelötet" sein. Masseprobleme mit der Karosserie dürfen schon gar nicht auftreten (ggf. mit Kupferbänder Scharniere z.B. des Kofferraums überbrücken), usw. usw.....

Solche Leistungen fordern absolute Sauberkeit und professionelle Kenntnis, sonst wird's nix ! Das kann ich garantieren.

Die 6-Stufen-Drosselschaltung im Eingang ist eine Katastrophe und bringt z.T. ein Eingangs-SWR von mehr als 4:1 mit sich, je nach Schalterstellung. Das kann dann auch mal die Endstufe des Funkgerätes "killen".

Wer sich mit dem Thema "MAAS KL-500" auseinandersetzen will, dem ist DRINGEND die Seite vom Afu-Kollegen Jörg Sander (DF3OJ) zu empfehlen. Er bietet für die KL-500 eine Ergänzungsplatine an, die einige Schwachstellen beseitigt. Z.B. wird der katastrophale Eingangsabschwächer gegen ein sauberes 50-Ohm-Dämpfungsglied ausgetauscht. Somit sieht der TRX immer ein SWR von höchstens 1,5:1.

http://www.sander-electronic-components.com/shop.htm

Ich habe diese für den YAESU FT-817 konfektionierte Zusatzplatine gekauft und habe darüberhinaus noch einige Schwachstellen an meiner KL-500 PA beseitigt (z.B. Verwendung einer externen 40A-Hochstromsicherung für den Profi-Auto-HIFI-Bereich, Anlöten von 6,0 qmm Zwillingslitze, Überbrückung der drei internen Sicherungshaltern, Zusatzüberbrückung der recht dünnen Platinenbahnen zur Kollektorstromversorgung). Nun kommen bereits bei 5 Watt HF Input schon echte 300 Watt HF Output raus. Das nenn' ich einen "Sprung" !!

In der FUNKAMATEUR gab es auch mal zwei Berichte zur professionellen "Aufrüstung" bzw. Schwachstellenbeseitigung der KL-500.


73,
Jochen DG2IAQ
Zuletzt geändert von schweißfuß am Mi 4. Mai 2005, 11:49, insgesamt 1-mal geändert.
Groß-Umstadt ** JN49KU ** ** TH548 ** 13GD007 ** http://www.sofafunker.de

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