Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

Krampfader
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#16

Beitrag von Krampfader »

Canva 1 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 11:51
Als schnell einsetzbare Notstromquelle hab ich mir gedacht einen Block von 12X "enelop" =14,4V liegen zu haben.
Dafür zwei 6er Batteriefacher zusammenschließen, so dass man die enelops raus nehmen und in einem herkömmlichen Ladegerät laden kann. So dass diese Batterieanschaffung universell nutzbar bleibt.
12 eneloop sind zu viel. 12 eneloop liefern kurz nach dem Laden eine Leerlaufspannung von 16V (und mehr, bis zu 17,4V(!). Manche CB-Geräte vertragen eventuell keine 17V.

10 eneloop genügen. Ich habe vor 12 Jahren mit 10-Zellen-Batteriehaltern experimentiert, habe sogar noch einige davon daheim. Im Prinzip geht Dein Vorhaben, wollte seinerzeit Ähnliches machen. Meine damaligen Messungen haben jedoch gezeigt dass die Übergangswiderstände (sprich Verluste) an den Kontaktfedern doch recht hoch sind, an den insgesamt 20 Kontaktstellen fällt einiges an Spannung ab, speziell bei höheren Strömen, und zwar bereits direkt im Batteriefach, siehe meine seinerzeitige Versuchsanordnung:

Bild
Quelle: https://www.pedelecforum.de/forum/index ... post-38313

Weiters beschädigen die Kontaktfedern/das Gehäuse beim Rein- und Rausgeben den weißen Schrumpfschlauch der Zellen. Wer das alles in Kauf nimmt der kann es ja trotzdem mal damit versuchen ...

Siehe dazu auch: https://www.funkbasis.de/viewtopic.php?p=543548#p543548

Grüße

Andreas
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#17

Beitrag von Canva 1 »

@Krampfader
Geräte, die für den Fahrzeugeinbau geeignet sind sollten ein zwei Volt mehr abkönnen, denn beim abschalten von "Großverbrauchern" im Fahrzeug(Halogenscheinwerfer) sind Spannungsspitzen um die 18V normal. Und wenn, wie Du sagst, da durch die vielen Kontakte sowieso Verluste auftreten, kann es ja nicht verkehrt sein da ein bisschen mehr zu haben. Schlimmer wäre, wenn da dann statt 12V nur noch 11 oder 10,5 durch die Verluste anliegen.
Diese Stromversorgung ist ja nicht für den ständigen Dauergebrauch bestimmt sondern sollen geladen parat liegen, falls mal der Netzstrom weg ist. Also werden die ein- zweimal im Jahr überprüft und ggf. nachgeladen.

Krampfader
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#18

Beitrag von Krampfader »

Canva 1 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 12:49
Diese Stromversorgung ist ja nicht für den ständigen Dauergebrauch bestimmt sondern sollen geladen parat liegen, falls mal der Netzstrom weg ist. Also werden die ein- zweimal im Jahr überprüft und ggf. nachgeladen.
@Frank
Die eneloop brauchst Du nicht nachzuladen. Eine originale weiße eneloop hält die Leerlaufspannung recht lange (über Jahre) auf 1,33V. Erst nach 5 Jahren sinkt die Spannung auf rund 1,29V. Wenn Du das mit Blei- oder üblichen NiMh´s machst dann sind die nach 5 Jahren kaputt, durch Selbst(tief)entladung. Teilweise schaffen das nicht mal Li-Ion und/oder LiFePo4-Akkus (ohne nachzuladen). Siehe meinen Langzeittest:

Bild

Sprich, nach 5 Jahren Lagerzeit (ohne nachladen) liefert Dir eine eneloop noch mehr als 80% der Nennkapazität, nach 10 Jahren immerhin noch 70%.

Andreas
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#19

Beitrag von Canva 1 »

Genau - die enelop sind genau richtig für eine Notstromversorgung - selten bis gar nicht benutzt - und wenn doch mal nach langer Zeit, dann zuverlässig einsatzbereit. :thup:

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ax73
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#20

Beitrag von ax73 »

So, jetzt haben wir zig Lösungen für ne Stunde oder zwei.
Darüber hinaus wäre zu bedenken wie es danach weiter geht. Zum Beispiel wie laden ohne Netzstrom, welche
Kapazität benötige ich für welche Zeit und so weiter.

Da wird es schon sehr individuell aber eine Kombination aus Solarstrom, Generator und Netzladeeinrichtung
wäre die nächste Stufe. Nebenbei Warmwassererzeugung (Gas) und Licht (Kerzen) sind auch nicht schlecht
in so einer Situation.

Sind Mutti und die Kinder oder Oma auch in der Lage so eine Notversorgung zügig zu aktivieren und
am Laufen zu halten?

Krampfader
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#21

Beitrag von Krampfader »

Canva 1 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 17:52
Genau - die enelop sind genau richtig für eine Notstromversorgung - selten bis gar nicht benutzt - und wenn doch mal nach langer Zeit, dann zuverlässig einsatzbereit. :thup:
Ganz genau, für Kleingeräte auf jeden Fall. Die stärkste Taschenlampe nützt Dir nichts wenn dann bei Stromausfall die noname-Akkus leer (oder gar kaputt) sind, alleine nur durchs monatelange Liegenlassen.

Ich verwende im gesamten Haushalt daher nur mehr original weiße(!) eneloops. Seit 12 Jahren. Überall. Angefangen von Funkgeräten, Radio, Taschenlampe, Rasierer, Zahnbürste, Wanduhr, Fernbedienung, Computer-Maus, Spielzeug, Wecker, Funkthermometer, Kamera, Blitz, Heizthermostat, Fernsteuerung, Lichterketten, LED-Lampen, bis hin zu diversem "Erwachsenen-Spielzeug" ;) ... einfach überall wo AA oder AAA reinpassen (ohne Ausnahme), siehe auch folgenden Text:

Bild
Quelle: https://www.battery-box.at/akkus/hausha ... mals-sanyo

Bei obigem Text fehlt nur noch "liefern selbst bei eisigen -20 Grad satt Strom!"

Ich kaufe dort wo der Preis stimmt. Aber vor allem dort wo ich mir sicher bin keiner Fälschung aufzusitzen, siehe Video: https://youtu.be/q93_bTuO0Ec

Schönen Abend!

Andreas
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#22

Beitrag von criticalcore5711 »

ax73 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 19:03
Sind Mutti und die Kinder oder Oma auch in der Lage so eine Notversorgung zügig zu aktivieren und
am Laufen zu halten?
Wenn es clever gemacht ist sehe ich da keine Probleme.
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ax73
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#23

Beitrag von ax73 »

Ich wollte mal wieder auf das eigentliche Thema zurück.
Es ist doch ziemlich egal wie die Akkus heißen wenn sie leer sind.

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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#24

Beitrag von DD01 »

Eine Not-Kommunikation via Funk ist im allgemeinen nicht schlecht. Ob CB Funk, Freenet, AFU usw ist so nicht zu beantworten. Das hängt von vielen Faktoren ab und muss im Endeffekt jeder für sich selbst ausmachen.

Genauso sieht es mit der Not-Stromversorgung aus. Bin ich Eigentümer eines Hauses oder wohne ich auf Miete in der siebten Etage ohne Balkon? Möchte ich das ganze Mobil realisieren? Auch das Geld spielt eine Rolle. Klar, Vorschläge kann man machen, nur gibt es viele Möglichkeiten einer Notstromversorgung. Akkus in welcher Form auch immer, Lademöglichkeiten via Solar, Sterlingmotor, Thermogenerator, Notstromaggregat, Brennstoffzellen und und.

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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#25

Beitrag von Canva 1 »

Leider wird man sofort als VTler, Aluhutträger oder einfach als bescheuert hingestellt, wenn man die Möglichkeit eines ausgeweiteten Blackouts für möglich hält. :roll:

Hier die Realität:

15.01.2019 Europa schrammte ganz knapp am Blackout vorbei
https://www.krone.at/1844089

Hier was offizielles zum Thema, eine Studie, die vom Bundestag in Auftrag gegeben wurde und ganz tief in den Schubladen wieder verschwunden ist, weil das Ergebnis nicht unbedingt gut aussieht.

Thomas Petermann, Harald Bradke,Arne Lüllmann, Maik Poetzsch,Ulrich Riehm
Was bei einem Blackout geschieht
Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls

https://www.tab-beim-bundestag.de/de/pd ... 11-141.pdf

Wer die 261 Seiten nicht lesen will, hier das Fazit dieser Studie:

FAZIT 14.
Die Folgenanalysen haben gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. Damit verlöre er auch eine seiner wichtigsten Ressourcen – das Vertrauen seiner Bürger. Die Wahrscheinlichkeit eines langandauernden und das Gebiet mehrerer Bundesländer betreffenden Stromausfalls mag gering sein. Träte dieser Fall aber ein, kämen die dadurch ausgelösten Folgen einer nationalen Katastrophe gleich. Diese wäre selbst durch eine Mobilisierung aller internen und externen Kräfte und Ressourcen nicht »beherrschbar«, allenfalls zu mildern. In historischer Perspektive mag zutreffen, dass sich das deutsche Hilfeleistungssystem auf Katastrophen gut vorbereitet hat, und es »nichts« gab, was »nicht bewältigt wurde« (Unger 2008, S.100). Ob dies auch für die »Verbundkatastrophe« eines Stromausfalls zutreffen wird, muss bezweifelt werden. Weitere Anstrengungen sind deshalb auf allen Ebenen erforderlich, um die Resilienz der Sektoren Kritischer Infrastrukturen kurz- und mittelfristig zu erhöhen sowie die Kapazitäten des nationalen Systems des Katastrophenmanagements zielorientiert weiter zu optimieren. Entsprechende Maßnahmen dürften allerdings nicht immer kostenneutral zu realisieren sein. Dass das Ziel dabei keine absolute, sondern allenfalls relative Sicherheit sein kann, muss betont werden. Stets wären bei der Entwicklung und Implementierung von Konzepten Abwägungsprozesse und Prioritätensetzungen erforderlich: Wie sicher ist sicher genug? Welche Kosten und welche Pflichten sind wem zumutbar? Welches Restrisiko ist hinzunehmen?
Der Stromausfall als ein Paradebeispiel für »kaskadierende Schadenswirkungen« sollte auf der Agenda der Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft weiterhin hohe Priorität haben, auch um die Sensibilität für diese Thematik in Wirtschaft und Bevölkerung zu erhöhen. Der hiermit vorgelegte TAB-Bericht soll hierzu einen Beitrag leisten.


Diese Studie ist von 2011, damals gab es den hirnrissigen Wahn, sichere Stromerzeugungsarten abzuschaffen, angefeuert durch schulschwänzende Hüpfekinder, noch nicht.
Jetzt stehen wir also noch einen Schritt dichter an einem Blackout.

Jeder sollte sich also dazu mal ernsthaft Gedanken machen.

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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#26

Beitrag von Canva 1 »

Hier eine kleine Geschichte von Manfred Haferburg, über die man schmunzeln kann oder auch nicht. :roll:
Quelle: https://www.achgut.com/artikel/blackout ... e_szenario

Es ist Mitte Januar, ein kalter, trüber Nieselregen-Abend. Die Familie sitzt in einem Düsseldorfer Randbezirk beim Abendbrot. Es gibt Brote mit Aufschnitt, das Baby nuckelt noch an seiner Flasche. Plötzlich flackert das Licht, geht aus und das im Hintergrund laufende Radio wird stumm. Der Papa schaut aus dem Fenster – alles stockdunkel bis auf ein paar Autoscheinwerfer. An der nahen Kreuzung scheppert ein Blechschaden – die Ampel ist wohl ausgefallen. Wildes Gehupe. Mama hat ein paar Teelichter angezündet, es sieht gemütlich aus.

Pullover an – die Heizung wird kalt

Eine Stunde später ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Papa mault nachhaltig, weil er von seiner sportlichen Betätigung nicht nachgehen kann – das Fußballspiel im Fernsehen ansehen. Bier und Chips ohne Fußball schmecken nicht. Mama hat schon den dicken Pullover an – die Heizung wird kalt. Der Achtjährige hat sein Tablet leergedaddelt und heult umher, weil er es nicht aufladen kann.

Ruf doch mal die Oma an, ob die auch keinen Strom hat. Die Oma geht nicht ran. Wahrscheinlich geht die Schnurlosstation nicht. Mama packt den Geschirrspüler ein und fordert den Papa auf, morgen früh ja das Programm zu starten. Er wird es sowieso vergessen, das weiß sie schon. Schlechtgelaunt und ungewöhnlich früh gehen alle zu Bett.

Am nächsten Morgen wird die Mama durch das laute Fluchen ihres Mannes wach. Das Licht funktioniert immer noch nicht, Papa hat die Teelichter von gestern wieder angezündet. Es sind ihre Letzen. Der Papa flucht, weil das Klo unbenutzbar ist – kein Wasser für die Spülung. Das hat er nicht gewusst und nun ist der Zustand des Badezimmers unerträglich. Die Mama erschrickt furchtbar: Ich brauche doch heißes Wasser für das Baby… Sie haben noch zwei Flaschen Mineralwasser – mit Kohlensäure. In der Wohnung sind 11 Grad Celsius, Mama gerät in Panik wegen des Babys. Wie soll sie das Fläschchen zubereiten, der Elektrokochherd ist toter als tot. Papa tröstet sie – ich bringe Wasser mit, wenn ich von der Arbeit komme. Bis dahin ist auch der Strom wieder da…

Papa kann nicht zur Arbeit fahren. Das Rolltor der stockfinsteren Tiefgarage geht nicht auf. Er beschließt, mit dem Bus zu fahren. Die Zustände auf den Straßen sind chaotisch. Staus, Unfälle, Blaulichtfahrzeuge überall. Ein Lautsprecherwagen fordert die Leute auf, zu Fuß nach Hause zu gehen. Zur Arbeit kommt er heute sicherlich nicht, es sind 25 km. Er will nicht ohne Wasser nach Hause kommen und geht zum Supermarkt. Dort ist ein Riesenauflauf. Aber die Tür ist zu: „Wegen Stromausfall geschlossen“ steht an der elektrischen Schiebetür. Die Leute sind wütend, ein Mitarbeiter fleht um Verständnis: Kassen gehen nicht, kein Licht, was sollen sie machen. Trotz des Flehens gibt es an der Tür ein Gerangel.

Die ganze Wohnung stinkt

Als Papa heim kommt, hat er eine Flasche Mineralwasser dabei. Das THW hat sie verteilt, für jeden nur eine. Mama gibt dem Baby ein Fläschchen. Die Nachbarn haben einen Campingkocher, leider aber kaum noch Spiritus. Sohnemann schwänzt heute die Schule, jammert aber endlos wegen seines Smartphones. Die ganze Wohnung stinkt, weil sie das Klo weiter benutzen, obwohl die Spülung nicht geht. Es ist ein kalter Gestank. In der Wohnung sind nur noch acht Grad.

Papa bringt Gerüchte mit, dass Hacker für den Stromausfall verantwortlich sein sollen. Das soll im Radio gekommen sein. Andere sagen, das liegt an der Flaute, dem trüben Wetter und dem Atomausstieg.

Mittags gibt es eine Fischkonserve und Brot mit Bier für alle, Papas Fußball-Kasten ist noch halbvoll. Der Achtjährige wirkt danach eher lustig.

Der Papa soll einen Camping-Kocher besorgen – egal was für einen – das Baby braucht sein Fläschchen. Kreidebleich hat die Mama gesagt: „Und die Oma muss heute zur Dialyse. Geh doch mal bei ihr vorbei“. Die Stunden vergehen. Der Papa kommt heute nicht mehr zurück. Keine Nachricht, das Telefonnetz geht nicht. Sie gehen in der stinkenden kalten Wohnung ohne Abendbrot mit einem Bier zu Bett – das Wasser bleibt für das Baby. Die Milch wird kalt angeschüttelt, das Baby fiebert schon ein bisschen. Die Kerzen sind alle, die Taschenlampe glimmt nur noch.

Mitten in der Nacht kommt der Papa nach Hause, er bringt die Oma mit. Sie sind vom Krankenhaus mit einem Fahrrad gekommen, die Oma auf dem Gepäckträger. Der Papa druckst rum, als ihn sein Filius fragt, wo er das Fahrrad denn her hätte. Die Oma erzählt von den Zuständen im Krankenhaus. Sie haben den ganzen Tag auf die Dialyse warten müssen. Die Leute haben sich geprügelt, auf Ärzte und Schwestern eingetreten. Zum Glück haben die dort Notstrom. Aber die Polizei und die Ärzte sind gegen die rüden Patienten völlig machtlos. Oma sagt, dass sie lieber stirbt, als sich dem nochmal auszusetzen.

Die Supermärkte sind geplündert

Es ist der vierte Tag ohne Strom. Die Familie hungert, die Haut juckt, das Klo stinkt. Das Baby hat immer noch Fieber. Nur noch der Papa wagt sich aus dem Haus. Er berichtet von chaotischen Szenen. Draußen ist es inzwischen lebensgefährlich geworden. Es gibt viele Brände und noch mehr Unfälle. Marodierende Männergruppen liefern sich Scharmützel mit Polizei und Militär, die aussichtslos versuchen, die Ordnung herzustellen. Die U-Bahn wird immer noch evakuiert. Es werden auch immer noch Menschen aus steckengebliebenen Aufzügen geholt, es gibt schon Tote.

Die Supermärkte sind geplündert und völlig verwüstet. Papa ist in einem solchen Geschäft gewesen und hat ein Toastbrot und Wasser erbeutet. Es wurde ihm aber auf der Straße von einer wildgewordenen Frau wieder entrissen, die schrie, dass sie es für ihre Kinder brauchte. Eine dicke Rolle erbeuteter Müllbeutel erweist sich als sehr nützlich – sie verrichten ihre Notdurft jetzt in Müllbeutel. Der Papa bringt auch wieder zwei Flaschen Wasser mit, die er von den tapferen Männern vom THW bekommen hat. Ihr Fahrzeug war ohne Diesel liegengeblieben, die Pumpen der Tankstellen funktionieren nicht ohne Strom. Die Männer hatten das Wasser verteilen wollen, wurden aber von der wütenden Menge überrannt.

Fast der gesamte Verkehr ist zum Erliegen gekommen. Auch Feuerwehr und Krankenwagen kommen nicht mehr durch. Kein Telefon, kein Internet, kein Fernsehen, kein Notruf der Polizei. Es ist, als hätte der Bodensatz der Gesellschaft nur auf so eine Gelegenheit gewartet.

Die Mama hat auf einem Kuchenblech ein provisorisches Feuer gemacht, um das Fläschchen für das Baby zu erwärmen. Sie verheizt zusammengetretene Kleinmöbel. Das offene Fenster dient als Rauchabzug, der Topf steht auf dem Ofengrillrost. Der Papa hat geschimpft und rumgeschrien, dass die Feuerwehr nicht kommen kann, wenn’s brennt. Mama bezeichnet seine „Vorsichtsattacken“ als Berufskrankheit – er ist Arbeitsschutzobmann auf seiner Baustelle.

Nun hat Mama mit einem bisschen Wasser sogar einen Topf Reis gekocht, den die Familie mit dem Resttomatenmark vermischt gierig isst. Die aufgetaute Hackfleischsoße aus dem Tiefkühlfach roch schon etwas schmierig. Nur der Papa hat davon gegessen. Er sagte: Das verbrät sich“, als er die Pfanne auf Mamas improvisierten Feuer erwärmte. Jetzt verbraucht er Unmengen von den Müllbeuteln, weil die Hackfleischsoße aus allen Rohren gleichzeitig zurückkommt.

Die Beseitigung der Schadensfolgen dauert Monate

Der Bierkasten ist leer. Der Oma und dem Baby geht es schlecht. Verzweiflung macht sich in der Familie breit. Der Achtjährige aber hat – oh Wunder – angefangen, seine Bücher zu lesen, weil sein Tablet nicht funktioniert.

Die Familie muss noch drei weitere Tage durchhalten, bis der Strom wiederkommt. Doch sie kommen glimpflich davon, keiner stirbt. Es gibt landesweit hunderte von Opfern, der Schaden geht in -zig Milliarden. Die Beseitigung der Schadensfolgen dauert Monate.

Inzwischen machen Gerüchte in den Medien die Runde, dass die Energieversorger absichtlich ihrer gesetzlichen Pflicht zur sicheren Stromversorgung nicht nachgekommen sind, um gegen die Abschaltung ihrer Kraftwerke zu protestieren. Auch wird berichtet, dass der Blackout passierte, weil es noch nicht genügend Windräder und Solarpaneele gibt. Der Achtjährige lernt in der Schule, was die Ursache für den Blackout war, nämlich, dass die Kohlekraftwerke die Netze verstopft hatten. Andere Medien und die Politik hingegen machen Putins Hacker für die Katastrophe verantwortlich. Die Grünen und die Linken, die das schon immer vorhergesagt hatten, bekommen ungeheuren Zulauf und werden bei den nächste Wahl Rekordergebnisse einfahren…

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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#27

Beitrag von DocEmmettBrown »

ax73 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 19:03
Sind Mutti und die Kinder oder Oma auch in der Lage so eine Notversorgung zügig zu aktivieren und am Laufen zu halten?
Mutti? Der haben wir doch die Energiewende und alle Probleme erst zu verdanken. :angry:
Canva 1 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 20:39
Leider wird man sofort als VTler, Aluhutträger oder einfach als bescheuert hingestellt, wenn man die Möglichkeit eines ausgeweiteten Blackouts für möglich hält. :roll:

Hier die Realität:

15.01.2019 Europa schrammte ganz knapp am Blackout vorbei
https://www.krone.at/1844089
Soll ich Dir mal sagen, wie egal mir das wäre, als VTler oder sonstwas zu gelten? Seit wenigen Tagen gelten sogar Liberale als Nazis. Du, ehrlich, die Bezeichnungen wären mir sowas von wurscht, das kannst Du Dir nicht vorstellen.
Blackout: Der große Stromausfall wird kommen und dann werden einige E-Autofreunde ganz böse aufwachen.

73 de Daniel

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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#28

Beitrag von ax73 »

Als wenn Autofahren das Wichtigste wäre bei Stromausfall :think:

Vielmehr kämen dann gottlob ein paar Grottenolme mal wieder ans Tageslicht weil sie nicht
von der Etagenwohnung gleich in die Fahrkiste fallen können. Fußläufig erreichbar ist dann der
neue Hype :dlol:

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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#29

Beitrag von Canva 1 »

DocEmmettBrown hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 22:06

Blackout: Der große Stromausfall wird kommen und dann werden einige E-Autofreunde ganz böse aufwachen.

73 de Daniel
Ich würde die E-Autofreunde eher zu den Opfern zählen, wenn auch mit einem gewissen Anteil von Selbstverschuldung. Euphorie kann den Blick fürs Ganze einschränken.

Lupus Alpha
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Re: Funk-Infrastruktur für Krisensituationen

#30

Beitrag von Lupus Alpha »

ax73 hat geschrieben:
Fr 14. Feb 2020, 23:10
Als wenn Autofahren das Wichtigste wäre bei Stromausfall
Kommt auf den Grund des Stromausfalls an. 8)
VG
Knut

gesendet mit DHL

Eigentlich bin ich ein ganz netter Kerl. Und wenn ich Freunde hätte, könnten die das auch bestätigen.

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